{"id":305,"date":"2006-05-28T21:51:10","date_gmt":"2006-05-28T19:51:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=305"},"modified":"2006-05-29T00:05:57","modified_gmt":"2006-05-28T22:05:57","slug":"ende-der-lage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=305","title":{"rendered":"Ende der Lage"},"content":{"rendered":"<div style=\"float: right; margin-left: 10px; margin-right: 10px; margin-top: 10px; margin-bottom: 5px;\">\n <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/genista\/4261142\/\" title=\"photo sharing\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/static.flickr.com\/3\/4261142_e69f79a1b8_m.jpg\" alt=\"\" style=\"border: solid 2px #000000;\" \/><\/a>\n<\/div>\n<p>W\u00e4hrend sich die Kindheitserinnerung an Spr\u00fchpflasterapplikationen am sensorischen Material labt und selbst verst\u00e4rkt, erprobe ich in der Gegenwart Zen-Taktiken zur Schmerzkontrolle, und staune nicht schlecht, als mir tats\u00e4chlich teilweise gelingt, das beinumfassende Brennen, das aus den paar offenen Quadratzentimetern strahlt, als blosse Tatsache zur Kenntnis zu nehmen. Die F\u00fchldistanz zum Schmerz oszilliert, wie zum Beispiel ja auch bei der binokularen Rivalit\u00e4t die Wahrnehmung unterschiedlicher Bilder in den beiden Augen im Sekundenrhythmus zwischen links und rechts zu schwanken neigt, und interessanterweise diese Distanz aber nicht in der Schmerzintensit\u00e4t, sondern in ihrer Bedeutung zu liegen scheint, denn es tut nicht weniger weh in den Entlastungsphasen, es ist mir nur mehr egal. Leider muss ich schon nach ein paar Minuten das Experiment abbrechen, weil den Schmerzfasern das Weiterleiten endlich zu dumm wird und Friede einkehrt in der Haxe.<\/p>\n<p>Ein Auto parkt vor meiner Nase, eins aus der aufgepumpten Minivan\/Pickup-Familie, eine junge Frau steigt aus, ihr Blick streift mich, dann ist sie auch schon im Walgreens verschwunden. Noch w\u00e4hrend ich \u00fcberlege, ob ich denn wirklich einem am Boden sitzenden mit blutigen Beinen ein tr\u00f6stendes Wort zukommen lie\u00dfe, wie ich mir im Interesse der Anonymit\u00e4tsverteilung einrede, oder nicht, kommt sie wieder raus, stracks auf mich zu, und sagt &#8220;Sorry&#8221;. Aha! Also doch!<\/p>\n<p>&#8220;I have to use that&#8221;, f\u00e4hrt sie zielsicher fort, und meint das Telefon. Ich sitze da zwar nicht wirklich im Weg, aber wohl doch zu nah dran, wer will schon neben Siechen oder Wunden telefonieren, wom\u00f6glich sind Viren oder Pechstrahlen in der Luft. Sie sollte wirklich \u00fcber die Anschaffung eines Mobiltelefons (H\u00e4ndi) nachdenken. Praktisch, so ein Ger\u00e4t.<\/p>\n<p>Sekunden sp\u00e4ter rollt Chris auf den Parkplatz, in seiner Mietwagenlimousine, einem von f\u00fcnf Autos, die sich das Berkeleykontingent hier teilt. Er bestaunt mein Bein und die Wunden, die er nicht erwartet hatte, ich war absichtlich vage gewesen am Telefon, und wir verladen das Rad und die Posterrolle und fahren davon. <\/p>\n<p>Mein Poster war noch am selben Abend fertiggedruckt, offenbar Ehrensache f\u00fcr Michelle, die nur Minuten nach meinem Davonhumpeln von ihrem Arztbesuch zur\u00fcckgekehrt war. Die beiden Nachtangestellten bei Kinko&#8217;s, die mir das erz\u00e4hlen, sind freundliche Gesellen, die sich neugierig nach dem Thema der Konferenz erkundigen, f\u00fcr die sie nun schon ein knappes Dutzend Poster last minute gedruckt haben, und die sie doch \u00fcberhaupt nicht einordnen k\u00f6nnen. Die Renaissance ist lang dahin, ich erkl\u00e4re kurz, dass es ums Sehen geht, denke mir nichts weiter zu Spezialistenproblem und Universalwissenschaft, und humple in die Nacht. Justin im Auto hebt angesichts der Papierrolle in meinem Arm den Daumen. Ich erwidere die Geste und steige ein.<br \/>\n<br clear=\"all\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>W\u00e4hrend sich die Kindheitserinnerung an Spr\u00fchpflasterapplikationen am sensorischen Material labt und selbst verst\u00e4rkt, erprobe ich in der Gegenwart Zen-Taktiken zur Schmerzkontrolle, und staune nicht schlecht, als mir tats\u00e4chlich teilweise gelingt, das beinumfassende Brennen, das aus den paar offenen Quadratzentimetern strahlt, als blosse Tatsache zur Kenntnis zu nehmen. 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