{"id":286,"date":"2006-05-23T02:33:42","date_gmt":"2006-05-23T00:33:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=286"},"modified":"2006-05-23T02:39:53","modified_gmt":"2006-05-23T00:39:53","slug":"vier-etappen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.genista.de\/engine\/?p=286","title":{"rendered":"Vier Etappen"},"content":{"rendered":"<p>Die Grauhaarige kommt nach ein paar Minuten wieder, entschuldigt sich bei mir und dem dicken Mann, einem Xerox-Wartetechniker, f\u00fcr ihre mangelnde Organisation, und \u00fcberl\u00e4sst mir dann Stuhl und Telefon. Erstes Etappenziel.<br \/>\nNun habe ich aber keinerlei Telefonnummer zur Hand. Die einzige Verbindung zu einer Welt, in der ich keine bluttropfende Schmutzschleuder sondern ein leidender Freund bin, sind die Verwalter des Ferienhauses, in denen das Berkeleykonferenzkontingent quartiert. Erster Anruf also: 411, Auskunft. Man gebe mir Florida Vacation Connection, sage ich. Versteh ich nicht, sagt der Computer am anderen Ende. Hinter mir regt sich eine dicke Frau in Kinko-Uniform. Immerhin keine kinky Uniform, nachtr\u00e4glich bedacht. Florida Vacation Connection sage ich etwas lauter, und etwas mehr r\u00fchrt sich die dicke Frau. Ich verbinde mit dem Menschen, schnarrt der Computer. Die Leitung verstummt. Die dicke Frau geht woanders hin, Papier sortieren. Der Mensch findet die Firma und schaltet mich durch. Zweites Etappenziel.<br \/>\nIch hatte einen Unfall, erkl\u00e4re ich der Angestellten der Hausverwalter, und muss Freunde erreichen, die in einem ihrer H\u00e4user wohnen, 244 North Adams Drive, ob sie wohl die Telefonnummer des Hauses rausr\u00fccken k\u00f6nne. Sie kann nicht, wer ich sei, wo ich wohne, was das solle. Kurz wallt Panik, dann aber f\u00e4llt mir ein, dass Carmel das Haus buchte, und ihr Name wirkt Wunder. Zack, hab ich die Nummer. Drittes Etappenziel.<br \/>\nHinter mir nun wieder r\u00fchrt sich die dicke Frau. Sie brauche, mault sie grob, das Telefon. Ich w\u00fcrde gerne glauben, mich verh\u00f6rt zu haben, aber tats\u00e4chlich sind ihr zwei Minuten Telefonblockade durch einen praktisch Halbtoten schon zuviel des guten Willens. Ich staune und grimme ein wenig, aber mehr nach Innen, f\u00fcr nach Aussen fehlt mir die Energie. Ich rufe das Haus an, es ist auch tats\u00e4chlich jemand da, aber kein Auto. Ja, sagt Ahna, sie rufe dann Chris an, wo sie mich denn erreichen k\u00f6nne, um den Erfolg durchzusagen. Es scharrt der Kinkodrachen. Nirgendwo, sage ich niedergeschlagen, man will mich hier nicht haben. Sie wisse, sagt Ahna, nat\u00fcrlich nicht, ob sie \u00fcberhaupt jemanden erreiche. Ja, sage ich. Lege, und stehe auf. Nieder setzt sich instantan der Drache. Grusslos gehe ich nach draussen. Viertes Etappenziel.<br \/>\nNun also stehe ich in der Betonw\u00fcste, mein treues Fahrzeug zerschmettert an meiner wunden Seite. Oder vielmehr: mein treulos niedertr\u00e4chtiges Radluder, die schon allzu dumme Sau. Ein M\u00fcnztelefon gibt es hier, nat\u00fcrlich, keins. Man tr\u00e4gt H\u00e4ndi. Es brennt infam die Sonne, und trocknet in den Wunden Blut, Gestein und Mikroben zur unsch\u00f6nen Kruste. So gehts nun aber nicht, denke ich bei mir, und fasse einen Entschluss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Grauhaarige kommt nach ein paar Minuten wieder, entschuldigt sich bei mir und dem dicken Mann, einem Xerox-Wartetechniker, f\u00fcr ihre mangelnde Organisation, und \u00fcberl\u00e4sst mir dann Stuhl und Telefon. Erstes Etappenziel. Nun habe ich aber keinerlei Telefonnummer zur Hand. 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