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5.2 Exakter Meßalgorithmus
Die Annahme, daß der Pupillenmittelpunkt sich bei Drehungen des Auges
in einer Ebene bewegt, die parallel zur Kameraebene liegt, führt zwar, wie
in Anhang B dargestellt, auf einen Fehler von maximal lediglich etwa 0.5 bei
Auslenkungen von bis zu 20 in gleichzeitig horzontaler und vertikaler
Richtung und wäre somit tolerierbar.
Es handelt sich jedoch um einen systematischen Fehler, der durch
exakte Rechnung beseitigt werden kann. Daher wird hier der exakte Algorithmus
für die Messung von horizontalen und vertikalen Augenpositionen gegeben.
Wie man sich aus der Darstellung des Drehmodells klar machen kann, bewegt der
Mittelpunkt der Pupille sich bei Drehungen des Auges in horizontaler und
vertikaler Richtung auf einem Torus, dessen Grundradius dem Parameter d,
und dessen zweiter Radius dem Augenradius Raugeentspricht (Siehe Abbildung 5.1 und 5.2).
Abbildung 5.1:
Ort der Pupillenmittelpunkte bei Drehung
des Auges. Die Drehachse für vertikale Drehungen verläuft parallel zur
x-Achse durch den Punkt D und hat zum Ursprung des Koordinatensystems den Abstand
d. Die Drehachse für horizontale Drehungen verläuft tangential zum
eingezeichneten Kreis um D durch den Punkt M, der sich mit vertikaler Auslenkung
auf den Kreis bewegt und in der Ruhestellung im Ursprung liegt.
Die eingezeichneten gefärbten Kreise entsprechen
rein horizontalen bzw. rein vertikalen Auslenkungen.
Durch eine vertikale Bewegung des Auges wird also der Kreis
horizontaler Auslenkung um die durch D verlaufende Achse gekippt. Ein solchermaßen
sich ergebender gekippter Kreis ist durchbrochen eingezeichnet.
Auf ihm liegt der allgemeine Punkt P, für den sich die Torusgleichung
direkt ablesen läßt. Der Punkt P' stellt die Projektion von P auf
die z-y-Ebene, der Punkt P'' die Projektion von P' auf die z-Achse dar.
Damit gilt für das Dreieck DP'P'':
(DP')2 = (P'P'')2 + (DP')2 =
y2 + (z-d)2. Damit erhalten wir
.
Aus dem
Dreieck MPP' erhalten wir dann die eigentliche Torusgleichung:
.
Die Winkel
und
finden wir in der Zeichung als die Winkel
und
.
Siehe auch Abbildung 5.2.
![\includegraphics[width=11cm]{Bilder/torus.eps}](img143.gif) |
Abbildung:
Für eine extrem große axiale Verschiebung
d tritt die entstehende Torusform besser erkennbar hervor. Der Torus in diesem
Bild entsteht völlig analog zu dem in Abbildung 5.1 gezeigten durch
Rotation des Kreises horizontaler Auslenkung um die durch den Punkt D verlaufende
Achse.
![\includegraphics[width=11cm]{Bilder/torklein.eps}](img148.gif) |
Für einen allgemeinen Punkt P(x,y,z) auf dem Torus gilt nun:
![\begin{displaymath}x^2+ \left[ \sqrt{y^2 + (z-d)^2} +d \right]^2 = R_{auge}^2
\end{displaymath}](img149.gif) |
(5.1) |
Zur Ableitung dieser Gleichung siehe Abbildung 5.1.
Das allgemeine Problem einer Messung mit dem Video-Okulographie-System ist nun,
die durch die Lage der Linse und die Lage des Meßpunktes im Kamerabild definierte
Gerade mit diesem Torus zu schneiden.
Diese Gerade verläuft durch die beiden Punkte (0,0,g) (Linsenzentrum) und (x,y,b+g)(Bildpunkt) und hat damit, parametrisiert in z, die Gleichung
 |
(5.2) |
Das eingesetzt in die Torusgleichung 5.1 ergibt eine Gleichung 4. Ordnung
für z:
![\begin{displaymath}\left( x_{bild} \frac{b}{g-z} \right)^2 +
\left[ \sqrt{ \left...
...d} \frac{b}{g-z} \right)^2 + (z-d)^2}
+d \right]^2=R_{auge}^2
\end{displaymath}](img151.gif) |
(5.3) |
Zwar ließe sich diese Gleichung prinzipiell in geschlossener Form lösen.
Diese Lösung fiele allerdings reichlich unhandlich aus, so daß eine numerische
Lösung naheliegt.
Abermals wird hierfür ein Nelder-Mead-Verfahren verwandt, diesmal im eindimensonalen
Raum des Parameters z.
Ist mit dem numerischen Verfahren nun z ermittelt, so können wie im Fall der
Ebenen-Näherung die Winkelkoordinaten
aus
und den Kalibrationsparametern nach Gleichung 1.42 bestimmt werden.
Die Simulation von Messungen zeigt, daß der Meßfehler sich mit diesem
Verfahren im Rahmen der
numerischen Genauigkeit des verwendeten Systems bewegt. Siehe dazu die drei
Zeichnungen ab Seite
.
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1999-04-24