Der Fisch in der Kirchengeschichte

von Kai Schreiber

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Es ischt ein weltgeschichtlich übles Gerücht, daß die erschten Chrischten sich am Fischgeruch erkannt haben sollen. Guten Abend liebe Gemeinde, i bin der Pfarrer Botschamperle aus Hirrlingen, und i han mir gedacht, an einem Tag wie diesem, wo es um eine Ausstellung "Fisch und Hut" geht, darf die Kirche net schweigen, muß vielmehr radikal chrischtlich Stellung beziehen sowohl zum Fisch als auch zum Hut. I han mir deshalb den inoffiziellen Bethut des Epischkopats Rottenburg aufgesetzt, der auch mit einigen Symbolen geziert ischt, welche ich in dem weiteren Verlauf von meiner Rede noch erläutern werde.

Wie also kam es nun zu diesem üblen Gerücht, die erschten Chrischten haben sich am Fischgeruch erkannt? Da muß man natürlich eine geraume Zeit zurückweisen, ins alte Paläschtina, des ja hauptsächlich voller Sand gestreut gwesen ischt, lauter winzigkleine Körnla lieged do umenander. Und wenn sich nun in diesem sogennanten Wüschtenklima zwoi Chrischten getroffen haben, von Angesicht gegenanander, dann war des also so gewesen, daß die im Sand zum Erkennungszeichen einen Seeigel mit den Zehen gemalt haben. Und des hot also hoisse solla, des Reich Gottes ischt eine runde Sache, hat aber von außen auch spitzige Stacheln mit Widerhaka, die eine Theodizee erlauben, aber wenn man es recht zubereitet, ischt es schmackhaft und dem Chrischten ein Hochgenuß.

Jedoch war diese Praxis, daß mer also Igel in den Sand molt, bald schon mit Negativpunkte behaftet. Und zwar als die erschten Chrischtenverfolgungen losganga send, muß mer sich des also so vorschtella, daß sich zwoi Chrischten in der Wüschte treffen, und sich dann bis zu oiner halben Schtunde gegenüberschtehen, bis endlich der Igel fertig ischt und man den Bruder im Geischte erkennen und in die Arme schließen kann. Es ischt leicht vorschtellbar, daß da manch ein Chrischt während dieser Prozedur erwischt und verhaftet worden ischt.

Außerdem hat die römische Chrischtenverfolgungsbehörde sich ja zum Zeichen die Tretmine erkoren, man muß sich einmal vorschtellen: zweitausend Jahre bevor das Gerät überhaupt entwickelt worden ischt, haben also die Römer mit Weitblick des schon eingesetzt. Fantastisch. Klar muß uns, liebe Gemeinde, aber sein, daß es da natürlich zu Verwechslungen gekommen ischt, sodaß der gläubige Chrischt sich also entschlossen hat, sein Wappentier gewissermaßen zum wechsla, und er hat sich dann den Fisch auserkoren zum Symbol. Der war oifach leichter zom mola.

Klar ischt uns auch, daß schon einige Jahre dernoch ein junger Schuschter aus dem galiläischen sich nogsetzt hot, und einen Aphorismenband verfaßt hot, in dem er darglegt hot, wie man aus dem Wort für Fisch in elle europäische Schproche einen sinnhaften Schpruch zsammabaschtle ko. Auf deutsch hoißt des dann zum Beischpiel: Feiner Jesus, Super Chrischtus, Heiland. Aber es goht au in andere Schprocha, hier auf meim Hut han i zum Beischpiel wege dem europäischen Einigungsprozeß des ganze in englisch notiert, sie kenneds ja lesa.

So kam es also dazu, daß der Fisch chrischtliches Symbol geworden ischt. Und klar ischt auch, liebe Gemeinde, daß die gegnerische, also römische Propagandaabteilung des gleich ausgewertet hat. Jesus habe noch Fisch geschtunken hat es da geheißen, und seine Anhänger würden sich jetzt deswegen nicht waschen, um ihm nachzueifra. Des ischt aber natürlich Quatsch.

Jetzt also ischt der Fisch Symbol des rechten Glaubens. Da muß mer sich als Chrischt, gerade auch im Epischkopat Rottenburg, natürlich fragen, icht mit dem Fisch überhaupt ein sauberes Tier in den Ikonenhimmel eingezogen? Und man erlebt eine Überraschung.

Denn obwohl der Fisch im Wasser lebt, ischt er eine unreinliche Erscheinung und wescht sich praktisch nie. Er schtinkt aus der Kieme und atmet einen unangenehmen, abgeschtandenen Wasserschtrahl aus. Außerdem scheißt er allezeit eine Schnur von Kotbällchen, wie einen Rosenkranz und macht enorme Haufen auf den Meeresgrund. Die Seeforschung schpricht von unterseeischen Bergrücken, aber es handelt sich bloß um Fischscheiße.

Auch wenn des jetzt, liebe Gemeinde, nicht so gut klingt, gibt es natürlich doch einige Fische, die gottgefällig leben, dazu gehört der Heilbutt und das Heringsfilet aus der Dose. Eher weniger Ansehen vor dem Herrn dagegen führen der Hammerhai und die Qualle mit sich. Die letschtere nicht nur, weil sie ekelhaft anzusehn, sondern auch weil sie eine infame Läschterung gegen das Mützle der Kleriker darschtellt, indem sie ihm ähnlich sieht.

Aber am beschten, liebe Gemeinde, gefällt dem ehrlichen evangelischen Gläubigen natürlich der Fisch auf der Karfreitagstafel oder am beschten auf einem Schtück Leinwand, zum höheren Ruhme Gottes. In diesem Sinne betrachtet sie diese Ausschtellung bitte mit ihre Auga, vor allem aber mit am Herzle, gell. Amen.