In der Fernsehklinik

von Kai Schreiber

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Stellen Sie sich vor, Sie mümmeln grade zufrieden eine Biokarotte von den Selbstangebauten und süffeln dazu guten, echten Apfelmost aus echt guten Mostäpfeln, da rumpelt es plötzlich in Ihrem Brustkastl, hei!, gleichwie die wilde Jagd! Und alles wird schwarz.

Bzw. genauer gesagt wird alles blau-schwarz-blinkend und mit besorgten Gesichtern mittendrin; zischend geht die automatische Tür auf, jetzt kommt noch was Grünes dazu, Operationsmundschutz. Oha! Und da ist auch schon das betroffen grienende Gesicht von Klausjürgenwussow oder wem, der sagt, "Willkommen in der Obhut des Alpha-Teams", nee, nicht Wussow, muß wohl doch, wieheißternoch, der andere sein.

Mit anderen Worten: worst case, Wurstfall! Sie sind in der Notaufnahme einer Fernsehklinik gelandet. Was jetzt? Spricht man da als Patient den Arzt an oder hat der Arzt das erste Wort, reicht man der üppigen Narkoseschwester das Bein, wenn beide Hände in Gips sind, darf man dem Zivi auch bei Tuberkulose frech ins Gesicht husten und vor allem: darf man hier einfach so einen Abkratzfuß machen oder muß man sich unter allen Umständen heilen lassen?

Die Frage ist heikel. Grundsätzlich gilt aber: wenn Sie oder ein Angehöriger sich moralische Verfehlungen haben zuschulden kommen lassen, zum Beispiel arme Waisenkinder mit dem Dreschflegel verhauen haben, kann ein schneller, unkomplizierter Abgang angebracht sein. Andererseits kann aber auch bei völliger moralischer Integrität der ganzen Sippschaft mitunter der Löffel von Ihnen eingefordert werden, wenn dadurch zum Exempel die Grausamkeit des Schicksals deutlicher hervortritt als sowieso schon.

Die erste Regel muß also lauten: Handeln Sie nicht auf eigene Faust, sondern sprechen Sie erst mit Regisseur oder Hauptdarsteller. Und wenn Sie dann tatsächlich abkratzen müssen, vergessen Sie nicht: Der gebildete Kranke stirbt mit dem linken Bein zuerst. Es soll ja schließlich auch nach was aussehen.