4 Fabeln

von Kai Schreiber

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Der Butter

Eine Schnecke und ein Butter waren gute Freunde. "Ach, Schnecke", sagte der Butter eines Tages. "Wenn ich laufen könnte, so würde ich zur Kräuterhexe laufen und Kräuter der Provence kaufen und etwas aus mir machen. Das würde auch Dir zugute kommen, denn Du schmeckst ja recht fade."
Die Schnecke verstand die Anspielung und machte sich auf den langen Weg zum Supermarkt. Die Kräuterhexe hatte nämlich Preise wie in der Apotheke.
Die Schnecke brauchte eineinhalb Monate für den Einkauf, und als sie endlich zurück war, war der Butter bei die Fische gelandet. Mit Betonschuhen an den Füßen.

Moral: Schnecken schmecken eigentlich auch mit Kräuterbutter nicht richtig gut.

Der Blechtrottel

Ein Kind hatte einmal aus lauter Blechdosen einen kleinen Mann gebastelt. Der Kopf war eine Blechdose, der Körper war eine Blechdose, und die Beine waren auch Blechdosen. Wenn der kleine Mann sich an den Kopf schlug, klang es hohl und eisern, und wenn er so durch das Kinderzimmer spazierte schepperte seine Blechhose bei jedem Schritt.
Eines Tages hatte der kleine Mann nun aber genug vom ewigen Kinderzimmer, er wollte hinaus in die Welt und etwas erleben, wie er sagt. Er hatte seine Flucht bis ins kleinste Detail geplant. Und schließlich war es dann soweit. Er wurde in den Müll geworfen, von einem mürrischen Müllkutscher zum Müllplatz kutschiert, und dort unter einer gewaltigen Menge von Joghurtbechern und Waschmitteldosierkugeln begraben. Später wurde der Müllberg dann begrünt und eine Parkanlage mit Sitzbänken dort errichtet.

Moral: Aus allem und jedem kann noch etwas werden, sogar aus Blech.

Hundewurst

Eine gut abgehangene Dauerwurst aus Hund traf einmal einen Kakerlak. Das war auch weiter nichts Besonderes, denn beide wohnten damals gemeinsam bei uns in der Speisekammer in einer Art WG. Im Laufe der Zeit wurden die beiden ganz gute Freunde, und die Dauerwurst erzählte viel von ihrer fernen Heimat. Das beeindruckte den Kakerlak ganz außerordentlich, weil er sich selber rein gar nichts merken konnte. Kein Wunder, mit seinem blöden Strickleiternervensystem im Bauch.

Moral: Man sollte eine gute Dauerwurst niemals unterschätzen.

Ratz und Maus

Ratz und Maus aßen zusammen einen riesigen Käse. Erst biß der Ratz ein Stück heraus, dann biß die Maus, so kräftig sie konnte. Dann riß wieder der Ratz ein gewaltiges Stück ab. Die Maus biß sich ein winziges Stückchen heraus. Als nun der Ratz abermals das Maul weit aufsperrte und gerade zuschnappen wollte, da sagte die Maus: "Du bekommst immer die größeren Stücke, nur weil Du das größere Maul hast. Ich finde das ungerecht." Das schlug der Ratz die Maus auf den Kopf und trug den Käse in sein Loch. Von dort beobachtete er, wie eine große Katze vorüber kam und die Maus mit Stumpf und Stiel auffraß.

Moral: Noch der größte Käse kann vor schlimmer Langeweile bewahren.