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Martial Arts



Monday, October 16th, 2006

Nihon für Ao

Der Ellbogen des Schiedsrichters, vor dem Unterleib angewinkelt, verrät schon das Kommende, dann eine ausholende Bewegung des linken Arms, die in der Waagerechten endet: Nihon für Ao. Die Plastikkarte ist griffig, aber die rückseitig darauf gedruckte blaue Drei, die mir den Stand auf der anderen Seite anzeigt, ist völlig glatt, und es dauert etliche Sekundenbruchteile, bis ich die beiden Karten greifen und umlegen kann. Die Aufmerksamkeit, die das Greifen des Glatten erforderte, zerstreut sich, und ich bemerke allgemeine Aufregung: im Moment des Umlegens hat auch der Schiedsrichter sich umgelegt, die zwei Punkte wurden der anderen Seite zugesprochen, und während ich mit der rechten Hand auf das gebellte Hajime mit dem Drücken der Stoppuhr reagiere, suchen die Finger der Linken die beiden Karten auf der Vorderseite, und holen sie zurück ins Nest, sie rotieren noch auf den Spiraldrähten, da – Yame! – stoppt die Uhr wieder. Erneut Nihon für Ao, diese abermalige Umkehrung kommt meinen Fingern unplausibel vor, und sie sträuben sich einen Moment, ehe sie sich fügen. Need to add two points, insistiert der japanische Turnierleiter, he did, antwortet die Russin. Two points for blue, drängt der Japaner hartnäckig, he already did insistiert die Russin nicht weniger. Ich, Yame, Uhrstopp, Handzeichen, habe keine Zeit, eine Meinung dazu zu haben.

Saturday, October 14th, 2006

Büro für den studentischen Alltag

0
Eine Verfassung müssen wir haben. Dann, so sagt die Webseite, dürfen wir nämlich einen Aufsteller auf dem Campus aufbauen und für uns werben. Oder auf Sather Plaza, dort, wo das Free Speech Movement seinen Anfang nahm, einen Tisch betreiben. Folglich schreibe ich also eine Verfassung.

1
Diese Verfassung, sagt die blutjunge Stundentin hinter ihrem Halbtischchen, ist nicht gültig. Sie erkennt das daran, dass die erforderlichen Sätze, die Inititationsriten, das sogenannte Hazing, sexuelle, rassische und überhaupt jede Art der Diskriminierung und auch sonst alles Böse verbieten, nicht im Fettdruck im Text stehen. Sie gibt mir eine Vorlage, die Sätze solle ich einfach kopieren, sagt sie, und fett gedruckt lassen, so liessen sie sich leichter entdecken. Sie zeigt mir einen Computer, auf dem ich die neue Verfassung rasch schreiben könne. Ich schreibe zu einem Soundtrack voll perlender Likes und Ohmygods, und stelle am Ende fest, dass die installierten Drucker nicht funktionieren. Andere rasch herbeigerufene blutjunge Studenten bestätigen, dass keiner der Rechner druckberechtigt ist. Ob ich ihr die Verfassung emailen könne, damit sie sie dann ausdrucken könne? Natürlich. Ich tu das, warte noch ab, bis die Email bei ihr ankommt, und gehe.

2
Zwei Wochen später, eine andere blutjunge Studentin. Von einer Verfassung für den Karateclub ist ihr nichts bekannt, nein, auch im Archiv nichts zu finden. Sie zuckt die Achseln. Am besten sei es, sagt sie, die Verfassung in Papierform und persönlich vorbeibringen, man könne sie dann in Minutenschnelle genehmigen. Sorry about this. Ich versichere ihr, das sei schon in Ordnung, ich weiss auch nicht, weshalb.

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Eine dritte blutjunge Stundentin nimmt die Verfassung entgegen. Von Minutenschnelle ist keine Rede mehr, überhaupt ist von wenig die Rede, mit einem stummen Nicken nimmt sie das Papier, steckt es irgendwo rein, wendet sich stumm von mir ab. What happens next, frage ich, ahnungsvoll. You wait for it to pend, sagt sie. Vor der Tür wird mir von dieser Formulierung sehr froh zumute, vielleicht ist es aber auch nur die Sonne, und ich nehme mir vor, am nächsten Tag eine vierte blutjunge Studentin zu befragen.

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Eine halbe Stunde später erhalte ich aber eine Email. Die Verfassung ist konform fettgedruckt und wurde ordnungsgemäss abgeheftet.

Friday, October 13th, 2006

Cocktail

Ich zögere kurz an der Schwelle, ein Reflex, aber es ist ein Tanzkurs im Raum und keine Verbeugung ist nötig. Zwischen den Paaren hindurch gehe ich zum Schrank, die Blechtür ist blockiert von der offenen Tür eines anderen Schrankes, der im rechten Winkel zu unserem steht, und in dem die Stereoanlage steht. Ich schliesse die Tür halb, öffne unsere – der Schlüssel klemmt ein wenig, ich rüttle sacht im Takt der Musik – und lege die Tüte mit den T-Shirts neben die Kampfübungsgeräte. Auf dem Rückweg durch die wie für ein Date angezogenen und nun wie erhitzte Gasmoleküle durcheinanderdriftenden Paare rieche ich eine Mischung aller gebräuchlichen, preiswerten Parfums und Aftershaves, eine Tanzschulensinfonie, die mich einen Moment lang in eine unangenehme Vergangenheit katapultiert. Direkt ausserhalb des Eingangs steht ein geölter Blondkopf im Sakko und beobachtet die Tänzer. Ich passiere ihn und greife mir den Rucksack mit dem verschwitzten Gi darin.

Friday, September 15th, 2006

Naihanchi

Naihanchi

Die Hände vor der Hüfte sanft gebunden,
Die Füsse parallel ruhn Seit an Seit,
Dann heben sich die Arme, nicht zu weit,
Und haben sich umkreisend neu gefunden.

Die leere Fläche kehrt sich, die erst aussen lag,
Und suchend schweift ein wacher Blick umher,
Sekundenlang bewegt sich gar nichts mehr,
Und schliesslich wie ein Blitz ein Schlag,

Ein Greifen nach dem Feindeshaupte,
Das auf den Knochen hin, der nun im Kreise schnellt,
Sich zubewegt; ihn trifft; ein Gegner fällt,
Und der, der gegenüber sich im Vorteil glaubte,

Sieht sich blockiert, verdrängt, gefasst,
In einer Querbewegung wird er vorgeschoben,
halb täuscht die Finte einen Schlag nach oben
an, und schon bekommt er ihn verpasst.

Die Arme schützen nun, doch ungebeten,
naht abermals Gefahr: bedroht den Fuss,
der weichend eilig aufwärts streben muss,
um unvermindert hart herabzutreten.

Der Kopf eilt dann sofort zur raschen Wende,
erneut bedroht ein Tritt das eigne Knie,
Das Füsschen schnellt empor und tritt das Vieh,
Ein Doppelschlag.setzt dann dem Kampf ein Ende.

Zuletzt, damit die Haltung nicht erweiche,
geschieht in umgekehrter Richtung dann das Gleiche.

Friday, July 28th, 2006

Neal Stephenson – Snow Crash (1)

snowcrash.jpg A very inventive story and cool story, with the same weakness Stephenson’s other books have in my opinion, a forced ending. Creating complexity, just to then shoehorn it into some resolution so readers can feel better is not something I approve of. Otherwise it’s quite flawless, though. It’s also quite interesting to see how Stephenson obviously churned on the themes he scratched upon in this novel for the later Diamond Age, and then took them into more realistic contemporary fiction with the Cryptonomicon.

Wednesday, June 7th, 2006

Chan-wook Park – Oldboy (1)

oldboy.jpg I enjoy watching movies with advertised surprise endings, not attempting to guess the twist beforehand so that it can have maximum impact. Here, I vaguely suspected the ending about halfway through, enough to take away the bottomless feeling I distinctly remember from having in The Sixth Sense, which is too bad. That doesn’t say anything bad about the movie, and I just mention it to justify my not talking at all about the plot of Oldboy. I cherish surprises, and so should you. Besides, if you want to be spoiled, there are plenty of places online for that.
Oldboy captured me both by the shocking intensity and realism of its violence, both physical and emotional, and it’s toying with the balance between the cool aspect of the martial arts tradition, and the dark and disturbing reality of violence. Contrary to what I’ve read elsewhere, though Oldboys perfect aesthetic design and it’s fragmented storytelling might suggest it, this is not a postmodern play on popculture themes in manner seemingly defined by Tarantino’s early works (as I’ve found said in multiple places), but rather a monumental tragedy, masterfully told.

Friday, June 2nd, 2006

Wong Kar Wai – 2046 (4)

2046.jpg Oh boy, where do I start? It was sombering to see that the concept that so beautifully worked in In the Mood for Love could fall so flat. While this loose sequel explores similar themes, none of the characters got me the least bit interested, the plot was see-through-thin both in terms of what happened and the emotional content, and the pretentiousness of it all just unbearable. Had I seen this in a theater, it would have been one of the rare occasions for me to walk out (though the cinematography, admittedly lost on a TV, might possibly have kept me). At home I sat through it, and I’m glad I did, for the last half hour picked up a bit. But not remotely enough to make this worthwhile. Stay clear.

Find this at Amazon, if you must

Friday, March 17th, 2006

damals und heute

sokuto meets gedan barai

Seit Wochen bin ich in Sorge, letzte Woche gar ging ich gar nicht erst, und fühlte mich wie ein Drückeberger deshalb, obwohl es auch andere Gründe gab, ich musste eine Programmierarbeit erledigen und hatte grade als der Zeitpunkt naherückte eine schöne Idee, obendrein leitet Mittwochs Judy das Training, und unter ihrer Führung wird selten eine elegante Einheit draus, und oft Ausdauerbelastung bis an die Grenze. Vor allem aber hat Judy Mittwoch vor drei Wochen gefragt, ob ich nicht das Aufwärmen leiten wolle. Schockschwerenot. Ich kniff, und der andere Braungurt musste stattdessen ran, und wurde prompt vom Gastsensei in den Senkel gestellt, wegen angeblich mangelnden Enthusiasmus und nicht ausreichender Führungsqualität. Fünf Minuten Strafpredigt. Seitdem ist mir ein wenig angst und ziemlich bang.

Vor einigen Jahren, die Geschichte erzählte derselbe Gastsensei bei anderer Gelegenheit wie die Kriegsschnurre, die sie ja auch war, waren die Sitten im UC Karateklub noch martialischer, die Disziplin schärfer und kleine pelzige Wesen noch richtige Kampfratten aus dem Abwasserrohr. Damals wurden drei Braungurte ermahnt, sich auf die Übernahme der Aufwärmleitung vorzubereiten. Wer einen Fehler in Abfolge oder Anzahl der Turntanzschritte mache, werde Liegestützen bis zum Ende der normalerweise knapp eine halbe Stunde dauernden Trainings machen. Brian, auf Exempelpirsch, wählte den Braungurt, bei dem er eines Versagens sicher war, und tatsächlich geschah ein Versehen. Leider schon während der ersten Übungen. Für den Übeltäter folgte eine halbe Stunde Liegestütze in der Ecke und, zwei Wochen fiebrige Krankheit und Muskelpein wegen Vollverausgabung. Gute alte Zeit.

Nun steht Judy wieder vor mir und fragt “do you want to lead warmups?” Zwanzig Sekunden lang ringe ich erbärmlich mit mir, “you don’t have to” sagt sie, und das gibt den Ausschlag. Wenn ich nicht muss, dann muss ich natürlich, es ist wie bei Kindern und dem Klo, nur ganz anders. Am Ende habe ich mich halbwegs durch die Affäre gerettet, zweimal angehalten und nachgefragt und ungefähr ein Viertel weggelassen. Liegestützen setyt es trotzdem keine. Gepriesen sei der Zivilisationsprozess.

Wednesday, March 8th, 2006

Nahrungsballs Abenteuer

Die Musik rappelt aus den Ohrkappen, vermutlich sehe ich aus wie ein Idiot damit, aber andererseits wohl kaum mehr als ohne, und dafür aber wie ein besser unterhaltener Idiot. Deal. Zwischen dem Sportgebäude und der Tiefgarage verläuft der Weg, entlang der ich mein frischverputztes Mittagessen nach Hause führe, aber grade jetzt führt er obendrein über gut vier Dutzend Männer und Frauen in Unterhemden, Tarnhosen und Fleckmützen weg. Beziehungsweise natürlich unter ihnen durch. Jedenfalls aber, das muss auch ein mittelalter Bartträger einsehen, der sich mit seinem Dreirad und den Einkäufen in des Dreirades Gepäckkorb mutig in die strammstehende Armee gewagt hat, führt der Weg nicht hindurch. Dreirad und Fahrer sind rettungslos zwischen dem Soldatennachwuchs verkeilt, es geht weder vor noch zurück. In Soldatengesichtern rührt sich kein Muskel. Schlaff hangen Flaggen vom Gestänge. Ich schlängle mich zwischen erstaunlich rundlichen und spannungslosen Leibern hindurch, und trage den Nahrungsball unter meinem Herzen weiter hügelan, als durch das Eelsgeschlängel plötzlich harsches Geschrei dringt. Ich erwürge den Ipod, drehe mich um, und sehe die Exerzizien in zwo Regimenter zerfallen, in Formation und Unterhemd heranjoggen, um dann in Fünfergruppen, unter “One, two, three, four”-Gebell des Fünfergruppeführenden, ins Sportgebäude einzurücken. Oder einzumarschieren, oder was. “Na, sage ich zum Nahrungsball, “da hast Du ja noch was erlebt”, gebe dem Ipod einen Reaktivierungsknuff und fahre mit der Verdauung fort.

Friday, March 3rd, 2006

Stephen Chow – Kung-Fu Hustle (1)

The best martial arts movies combine poetry and action into something unique, and boy, does this one ever succeed at it. At once a parody of the genre, and a masterful example of it, humor and inventiveness make this an exhilarating masterpiece. The feeling of sheer delight was heightened considerably by the fact that for some reason I expected a Jackie Chan type comedy, with conventional humorous dialogue and moderately original fighting. I was completely unprepared for the cigarette smoking landlady, the dancing axe gang, the lion’s roar megaphone or the toad fighting technique or the numerous other elements of mayhem, and so was entirely without defences. Which is just as well.