Search

Berkeley



Tuesday, March 11th, 2008

Buddha on a Train (reading Keroauc)



As I straddle my folded bike on the swaying train
Gliding over the Passaic and into Newark’s Penn
I read about someone in a hut in Corte Madera,
That I drove to over different waters on a different day
And where I was awarded the license to go forth and drive,
And reading that that someone in that hut
Thinks he is Buddha, and smiles and is content,
I look up and see the skyline of Manhattan,
Far and faint over the glittering, murky waters
And I smile
And I am content

Wednesday, February 6th, 2008

Michael Pollan – The Omnivore’s Dilemma (1)

150_OmnivoresDilemma_med.jpg This book was a magnificent ride. Starting out with a depressing description of the industrial food system, and the great river of corn flowing across the American continent, he proceeds to look at what he calls the industrial organic food system, the coopting of sustainability values by unsustainable big agriculture, and finally homes in on local growing and foraging. The section on Polyface farm in Virginia, with its insight into the biology of grazing, is truly inspiring, especially when contrasted with the nightmarish images of factory farming and CAFOs. The section on foraging and hunting touched me, too, but probably more for it’s Northern California flavor than for its content. As Pollan himself points out, foraging and hunting aren’t viable strategies for feeding a population any more, but reading about mushrooms in Berkeley, pig hunts in Sonoma and morels in the Sierra made me profoundly homesick.

Wednesday, May 30th, 2007

Verenden

Die Sonne, die mir gestern am Memorial Day spürbar die Arme verbrannte auf dem Radausflug zum historischen Friedhof von Oakland, steht auch heute wieder hoch, wenn auch zwischen Wolken nur intervallweise hervorstrahlend. Ihr Licht ist hart und unfreundlich, Farben verblassen. Die Gebäude und Menschen erstarrt zu Monolithen ehemals menschlicher Existenz, nichts und niemand scheint mit sich identisch in diesem Licht, alles nur eine flüchtige Scheingeographie, die bald zerfliesst und das darunterliegende Felsgestein offenbart. In Rockridge, neben dem Parkplatz eines Einkaufszentrums, gähnt in diesem Grundstein ein Loch, über dessen kühle Tiefe das eingeflossene Wasser und seine Algen hinwegtäuschen. Oder vielleicht liesse sich auch durchs kaum hüfthohe Wasser bis an die andere Seite waten, wo aus der blanken Steinwand eine einzelne Pflanze ragt und trotzig Blüten in den Strahlenregen reckt, der sie nährt, und der sie noch verbrennen wird. Vielleicht liesse sich so ein kleiner Strauss aus der Wand pflücken, läge nicht der ganze Teich eingezäunt und sicher hinter Stacheldraht. Weit dort oben, gleich hinter dem Klippenrand, dehnt sich der Friedhof. Liesse sich wohl Leichengift nachweisen im Gewässer? In den Blüten?

Heute auf Durant sitzen Sommermenschen verteilt wie Schaufensterpuppen in den Schatteninseln, die Universität hält den Atem an vor ihren Summer Sessions, und niemand hat ein Ziel. Im flutenden Licht liegt verbrannt ein Halbnackter, wie oft, davon rühren ja die Verbrennungen, willentliche Californication, garendes Menschenfleisch. Ich gehe schneller, um wieder aus der Sonne in den Schatten zu gelangen, und blicke zu Boden, weil ich nichts sehen will heute als was ich begreifen kann. Zwischen blassgrünen Halmen kriecht dort unten eine Biene, dreht sich, rollt kopfüber und liegt still. Auch ich verharre jetzt, und betrachte stumpfen Auges ihren Tod.

Thursday, May 24th, 2007

Am Tage

Ellsworth ist eine Einbahnstrasse, deshalb muss ich, als ich das Stoppschild überfahre, nur in einer Richtung nachsehen, ob ein Auto sich nähert, das dann zwar immer noch anhalten müsste am eigenen Stoppschild, aber man weiss ja nie. Es ist aber kein Auto zu sehen, sondern eine gebückte Silhouette im schräg einfallenden Gegenlicht, ein schwarzer Buckel auf Beinen, Nase am Boden, der zügig, aber nicht schnell, die Strasse überquert. Ich habe die Kreuzung auf der anderen Seite schon wieder verlassen, wende im engen Kreis, zurück durch die Kreuzung und auf den Parkplatz, auf den der Buckel zuwackelte. Ein geringelter Schwanz ragt reglos hinter dem Zaun hervor, dann ein Rascheln, ein paar Sprünge, und zwischen den Wedeln der Palme hervor sieht ein maskiertes Tier mich an. Ich starre einen Moment erfreut zurück, wende dann erneut und kehre zurück auf meine Planstrecke.

Wednesday, April 4th, 2007

Balanced

Der Innenraum erinnert an das Klischee eines Ameisenhaufens, wild schieben die Menschen ihre Gitterwagen durcheinander, ständig bilden und lösen sich Staus, denn Berkeley Bowl, der in einer ehemaligen Kegelbahn einquartierte Ökosupermarkt, besitzt zu viele Einkaufswagen. Die Kunden versuchen zwar, den Missstand zu beheben, indem sie die Wagen rappelvoll nach Hause schieben und dann dort geleert stehen lassen, aber die ausgelobte Belohnung unterhält eine rege Rückführökonomie, und am Grundärger ändert sich nichts. Man darf zu Stosszeiten darum nicht hier sein, aber hin und wieder vergesse ich das oder habe nicht die Wahl.

Die Schlangen an den Kassen sind seltsamerweise trotzdem überschaubar. Unter Umständen wie den gegenwärtigen biegen sich die aufgreihten Käufer normalerweise kreuz und quer durch den hinter den Kassen belassenen Stauraum und in die Regalreihen, ein argwöhnisches Lauern auf Schlangenplätze setzt dann ein, und in der Hoffnung auf eine etwas kürzere Schlange oder eine etwas schnellere Kassierkraft patrouillieren die Unnachgiebigen mit ihren Wagen auf und ab, quetschen sich durch die Wartenden und komplettieren den Wahnsinn. Aber heute sind die Schlangen grade und reichen kaum bis ans erste Regal zurück. Tortzdem mürrisch stelle ich mich an, der Menschen, ihrer Waren und ihres Gewusels überdrüssig.

Während ich den Kram aufs Band lade, reisst mich eine Stimme aus dem gramvollen Grant. You made me thirsty, sagt die Stimme freundlich, those look so good. Sie meint die gefrorenen Limonadenkonzentratdosen. Als Tim, vor einer Weile bei uns zu Besuch, erfuhr, dass die Limonade nicht frisch gepresst war, sondern aus der Dose, rümpfte er angewidert die Nase und stellte das vorher gelobte Getränk beiseite. Hilflos blicke ich auf die reifüberzogenen Dosen und suche nach Worten, finde keine und sage also „Now you made me thirsty, too.“ Kurse eines sogenannten Schlagfertigkeitspapstes preisen Google Anzeigen im Gmail Interface mir seit einer Weile an. Ich ahne, weshalb.

Das Band bewegt sich stossweise, und wird stossweise von mir beladen, und kurz vor Ende spricht sie mich wieder an, You got just the right balance between healthy and indulgent, freundlich, auffordernd, und diesmal fällt mir nicht mal eine Floskel ein, das Schweigen zieht sich, bis uns klar wird, ich werde nicht antworten. Sie unterschreibt ihre Quittung und wendet sich ab. Hi, sagt die Kassiererin zu mir. How are you?

Saturday, March 31st, 2007

Knoten

Seit dem Krankenhausaufenthalt und der intravenösen Ernährung habe ich in meinem linken Unterarm eine Venenverhärtung, einen zwei Zentimeter langen, harten Knoten, den ich in ratlosen Momenten gegen das Muskelgewebe drücke, ein Tick. Wird der Fingerdruck stark genug, weicht der Knoten aus, seltsamerweise nicht seitlich zu, sondern in Richtung des Venenverlaufs, ein hochgekrempelter Blutärmel. Vor dem Fenster sehe ich ein Insekt, vielleicht zwanzig Meter entfernt in der Luft, und hätte es wohl nicht gesehen, wenn nicht ein amerikanisches Rotkehlchen es in einem eleganten Flugmanöver aus der Luft gefangen und gefressen hätte. Ein Insekt, das wohl so gross war wie der Knoten in meinem Arm, und das jetzt verdaut wird. Einen Moment lang scheint der Vergleich etwas zu bedeuten, das Ereignis, die Tatsache, dass ich erst rückwirkend das Tier sah, als es schon verschwunden war, vernichtet, aber dann zerfällt das Gespinst, es ist ein Vogel, der zufällig vor meinen Augen frass und jetzt schon fortfliegt.

Friday, March 30th, 2007

Neue Weltordnung

Wie jeder weiss, der schonmal Schuhe gekauft hat, kommt es im Leben vor allem auf die Grösse an. Und Fische wissen das natürlich auch und beugen sich gerne dem geistlosen Diktat der Körpermasse. Einserseits verhält sich Godzilla wie ein scheuer, tapsiger Riese, rumpelt beim Rumschwimmen ständig irgendwo gegen und kann sich nur unter grossen Mühen das Schloss überstreifen, um dann mit wachsamem Auge zum Tor herauszuspähen, ob niemand ihm übel wolle. Andererseits aber kann Godzilla in unserem Becken nun komplett machen, was er will, seine schiere Grösse erstickt ohnehin schon unplausiblen Widerstand im Keim. Und was schon gekeimt ist, aber nicht an der richtigen Stelle steht, wird kurzerhand ausgerupft.
Am Morgen nach der Godzillaankunft schwimmen deshalb zahlreiche Pflanzen zerrupft an der Oberfläche, die restlichen Fische stecken hinter Steinen und im Laub und glubschen nervös, und von der Ursache ist aber nichts zu sehen. Nur die Cichlidfrau, die ihren eivollen Bauch vor dem Schlosseingang auf und ab paradiert ist ein Indiz: da wird er wohl drin sein.
Ist er aber nicht. Denn unvermittelt entfaltet sich jetzt die Eröffnungssequenz eines Star Wars-Films, ein massiver Raumfisch schiebt sich unter Bassgrummeln hinter dem Schloss schräg aufwärts, ein riesiges Auge späht, und immer mehr und mehr blauer Fisch taucht auf, die absurd grossen und Detailarmen Schuppen und Flossen ein Hinweis darauf, dass hier die Effektabteilung eine Attrappe gebaut hat, und der Fisch in Wahrheit nur ein paar Zentimeter lang ist. Jetzt schiebt sich rot- und gelbglühend die Schwanzflosse ins Freie, die den Zerstörer antreibt auf seiner Bahn durch den Kosmos, kurz steht der ganze, massive Fisch frei über dem Schloss.
Dann sieht er mich, und versenkt sich wieder, schüchtern, aber durchaus selbstsicher, ein zärtliches, blaues Monster.
Am anderen Ende des Grössenspektrums sind unterdessen zwo der Schwertträgerjungen grundlos verendet und schwimmen leblos im Kindergarten. Noch zwei.

Friday, March 30th, 2007

Haarig

Als ich mir mit den Händen durch die Haare fahre und also mit meinem Kopf raufe, fallen einige auf das mit Skizzen von Kreisen und Projektionsstrahlen bedeckte Blatt, ein Kopforakel, ein I-Ching oder Mikadospiel aus Keratinstäbchen, und ich frage mich einen Moment lang, ob das Überbleibsel von der gestrigen Schur sind, oder ob vielleicht wirklich eine Verdünnung stattfindet. Die letzten Rottöne aus den Wolken verschwinden, und mit ihnen meine Hoffnung auf eine Lösung. Warum der Winkel orthogonal zur epipolaren Linie, der doch eigentlich der kürzeste sein sollte, von einer numerischen Optimierung unterboten werden kann, Tagesinhalt im Winkelbergwerk. Ich werde das Problem heute nicht mehr lösen, habe schon die Jacke an, als mir, woher der Gedanke nach drei Stunden der ununterbrochenen Ratlosigkeit nur plötzlich kommen mag, auffällt, dass das Kreuzprodukt zweier Einheitsvektoren natürlich selbst im Allgemeinen kein Einheitsvektor ist, und darum die Orthogonalisierung missglückt.
Ich kann nach Hause gehen.

Wednesday, March 28th, 2007

Skinny

No spring break? fragt sie, bevor sie mir den Haarfang umlegt, No spring break for you, either, frage ich zurück, aber die Kollegin ist im Urlaub, Belegschaftshalbierung, Studentenmangel. You used to have dense hair, sagt sie, now no more, lost weight, too. Ich bin einen Moment lang zu verblüfft, um zu antworten, got skinny, fügt sie hinzu. Kurzsichtig spähe ich in den Spiegel und versuche zu lesen im müden Gesicht, das herausguckt, aber es ist zu unscharf.

Wednesday, March 28th, 2007

Wurmloch

Die weitere Observation des rückgratlosen Schmarotzers offenbart schon bald Erstaunliches. Zwar weigert sich die bewohnte Fischin nach wie vor, vom Medikament mehr als einen Hauch zu sich zu nehmen. Die reichlich als Chemieteppich über ihr abgeladenenen bitteren Pillen umschwimmt sie geschickt, um sich dann selbstzerstörerisch die am wenigsten medikamentverseuchten Krümel aus dem Kies zu picken. Aber trotz diesem anhaltenden Widerstand des Patienten geht es auch der Krankheit offenbar nicht recht gut. Weit jetzt ragt nämlich der Wurm aus dem Poloch, krümmt sich mal hierhin, mal dahin und scheint unzufrieden. An seiner Flanke lässt sich eine angeschwollene dunkelrote Zornesader erkennen, entlang der er unzweifelhaft letzten Lebenssaft aus seinem Opfer saugt, aber es hilft ihm nicht viel, denn auch dieser Saft ist ja wurmfeindlich vergiftet.
Ich weiss nicht, ob das Fenbendazolfutter oder die sicherlich im Krankenwasser noch vorhandene Antibiotikamagie der Arschlametta das Licht ausbliesen, aber jedenfalls ist nach zwei Tagen des Rausragens in wechselnden Richtungen der Wurm verschwunden und der Fisch gesund. Es ertönen Pausanen, Tromtepen und andere unbekannte Instrumente der Freude und der Hoffnung, sowie ein Glückstriangel, in einem schönen Jingle.
Schnell ist sie eingefangen und ins Hauptbecken verschifft, beziehungsweise verfischt, wo nur noch ein wenig Akklimatisierung zwischen ihr und einer triumphalen Rückkehr steht. Während sie darauf wartet, ziehe ich noch schnell Wasser unter ihr weg, und sauge gleich die grünen Berge von Schwertträgerscheisse, die sich vorne rechts in einem Strömungswinkel anreichern, aus der Landschaft, damit alles schön blinkt, wenn die Patientin zurück kommt. Beim Wiedereinfüllen stosse ich an den Schwimmkindergarten, der obere Rand wird unter Wasser gedrückt und zwei der Schwertträgerkrümel entweichen keck in die Freiheit.
Nur einen davon finde ich später wieder. Den anderen haben wohl die Barben geholt. Noch vier.