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Monday, April 19th, 2010

Phänomenologie des Geisteskranken (2)

II. Tag. Aussen.

Bei Licht betrachtet ist was man im Dunkeln so treibt und schreibt ja meist ein geblümter Unsinn mit Schleife. Das macht einerseits nix, so weit es um Gefühltes geht, weil: Gefühltes braucht keinen Sinn; Gefühltes schmeckt auch so. Aber vom Gedachten hätte man mehr erwartet. Wahrscheinlich ist überhaupt das der Fehler.

Tractatus sozio-logicus:

1 Alle Welt will gefallen.
2 Wodurch man gefallen will, das Mittel, ist das Verhalten.
3 Der Zweck des Verhaltens ist Kommunikation.
4 Kommunikation ist der unternommene Versuch, den Zustand des Anderen zu verändern.
5 Mittel dieser Veränderung ist das Ausführen sozial bedeutsamer Bewegung
6 Die herzustellende Gleichheit ist die zwischen der erwünschten Bewegung des Anderen und seiner tatsächlichen.
7 Wo man nicht angleichen kann, da muss man schweigen.

So weit, so gut. Aber was ist jetzt, wenn die Kommunikation eine über das Ende aller Kommunikation ist? Man also zum Beispiel blogt, dass man online nichts mehr schreiben will, ja zwingend nicht mehr kann, keine Wahl hat, weil man vor dem Browser Angst hat wie gebrannte Mandeln vor dem Feuer? Ist das als Kommunikation nicht völlig ungültig, wegen Binnenwiderspruch? Macht man sich nicht zum Lügenkreter damit und schafft sich selbst ab? Kann man vor lauter Logik blind werden gegen den eigenen Blödsinn?

Von Schnee kann man jedenfalls blind werden. Nicht wenn es bewölkt ist und dichtes Flockengewiesel fällt, Schneeblindheit ist ja die Ultraviolettkatastrophe im Auge, eine Schwarzkörperexplosion aus zuviel Licht. Aber ich bin im eigenschaftslosen Weiss des Schneetreibens trotzdem blind, die Qualitäten der Dinge lösen sich von ihnen ab und verschwinden. Es bleibt ein grellweisses Loch, inhaltslose, wirbelnde Verzweiflung. Im Film Nothing finden sich zwei Freunde mit ihrem Haus in einer nahezu allumfassenden weissen Leere wieder, nachdem sie den Rest der Welt durch intensiven Hass beseitigt haben. So ähnlich fühlt sich Lincoln Park an an diesem Schneetag, eine Insel im Nichts, voller Gespenster abgeschiedener Grössen. Zwei Baumreihen sind zu sehen, die auf einen Punkt hin fliehen, ohne ihn zu erreichen, und ein steinerner Feuerwehrmann auf einem Podest, der sich gegen den Schnee stemmt. Der Rest ist wirbelndes Schweigen.

Nothing endet damit, dass die beiden Hauptdarsteller restlos alles weghassen, ausser ihren Köpfen, die dann zufrieden durch die Leere hüpfen, deren einzige Eigenschaft ist, dass sie weich ist und nachgibt. Aber der Film stellt die Dinge natürlich von den Füssen auf den Kopf. Denn viel einfacher wär es doch, den eigenen Kopf wegzuhassen statt umständlich die ganze Welt. Und zack, aus die Maus. Und so stand ich da im Schneegestöber und dachte: besser wärs gewesen, dieses Ding wär mir im Kopf gewachsen und nicht dem W. Er hätte nicht das Leid, das von aussen nicht vorstellbare, und mein eigenes Leid und die umfassende Verzweiflung, die alles würgend umklammert, die an der Idee der Leichtigkeit hängt wie Blei, wäre zu Ende.

Der Gedanke ist natürlich dumm, so dumm, dass auf seine Dummheit hinzuweisen selbst auch dumm ist, das weiss ich selber, und er wurde ja von der Depression gedacht, und nicht von mir. So verteidigt sich mit kleinen Ärmchen rudernd das Ich. Ganz zu schweigen davon, denn auch das ist mir bewusst, sagt das Ich, dass anderer Leute Elend zur dramatisierenden Folie fürs eigene zu nehmen ein Schachzug des Anti-ES ist, Ausdruck einer psychosomatischen Abstraktdeformation. Sich so herauszureden auf “das war Ich nicht, es war mein Hirn” ist verlockend, aber wer oder was ist denn eigentlich dieses Ich, dass es da nicht gewesen sein will? Dem der Gedanke so peinlich ist, und Anlass zur Wut auf was diffuses Externes? Und würde dieses Ich auch sagen “Ich hab mir nicht den Fuss gebrochen, das war mein Bein”? Ist das nicht vielmehr ein Ausweichen, und die ganze Philosophiererei auch nur Übersprung?

Apropos Ausweichmanöver und Übersprung: die Ansichten Humes zum Ich – das es nicht gebe als Ding der Anschauung – und seine Induktionsargumente – wir können nichts wissen, und genau genommen nicht mal das – gelten ja genauso in der Depression. Denn auch ob eine Situation, eine Interaktion, ein Ausbleiben oder Eintreten gut ist oder schlecht, kann man nicht wissen. Man schwiemelt es sich je zusammen, aufgrund des sonst so gewussten: Esse est perspiri. Dasein ist Schwitzen. Und Perspiration ist eben fehlbar. Und müffelt.

Anders: dem Induktionsproblem geht das Hirn mit einem Grundvertrauen aus dem Weg, einem heuristisch eingeschriebenen “wird schon stimmen”, in dubio pro lege, fürs Naturgesetz. Was gestern war, wird auch morgen noch gelten. Die Grundlage dafür ist, dass diese Faustregel gestern noch half, das ganze Argument also zirkulär, aber das macht ihm nichts. Und ebenso basiert sozialer Austausch auf der Annahme: man nimmt mich ernst, man achtet mich, ich bin was wert auf dem Markt der Personen und Empfindungen. Und wie aus einem grundlegenden Zweifel an der Zukunft die Unfähigkeit folgt, sie zu erreichen – wer weiss, ob beim nächsten Schritt noch fester Boden ist, besser, stehenzubleiben – so ist der, der am Wohlwollen der Welt zweifelt, nicht mehr in der Lage, es zu sehen.

Funktionieren ist Vertrauensvorschuss, ist die Welt auf die leere Leinwand der Wahrnehmung gemalt, oder hier eben ein Haufen Neurojargon auf die schwarze der Existenzverneinung.
Das geglückte Leben eine einzige, lange Übersprungshandlung; ein Kratzen hinterm Ohr mit dem falschen Fuss; Blindheit im Angesicht des strahlenden Nichts.

PS. Wer das mit der Abstraktdeformation erklären kann, ohne zu gugeln, kriegt einen Pangalaktischen Donnergurgler ausgegeben. Oder zwei.
PPS. Ja, das PS aus dem angeblichen Kommunikationsembargo redet mit dem Leser. Schnauze, Leser.


Friday, April 6th, 2007

Luchino Visconti – Il Gattopardo (4)

50-Gattopardo.jpg There might be a gripping historical tale in this movie, of the change Italy underwent when the univifcation movement succeeded, of the social turmoil, and of the mixed feelings of an educated upper class, about to lose it’s power and influence for a good cause, but I didn’t stick around to see whether there was. After the first forty minutes dragged on, with a nonexistent plot and a badly choreographed, endless public fighting scene, I stopped. Sorry, Visconti.

clarke_songs.jpg This is horrible. Not because it is just obviously bad, for it isn’t. The science is as solidly done as you’d expect of Clarke, and the outline of the story sort of makes sense, if you buy that we can predict novae from looking at neutrinos. But the details all are oh, so wrong. All the mistakes that give science fiction a bad name are here, in a thickly layered mistake cake, with an extra topping of whipped mistake cream. Things that we should understand from what we witness we are told in the abstract, dialogue stilts around just to get information to us, instead of of its own merit, characters psychology makes no sense whatsoever, the underlying wordview is deeply technocratic and single minded – he creates a utopian society of love and respect that sounds like a hippie teenager’s wet dream by having past artistic output censored and culture start from a carefully prepared blank slate. That notion alone already has so many things wrong with it, I won’t count. Bah.

cowboys zombies.jpg I recently remembered that a Leningrad Cowboys album was lying abondoned in some basement in Germany, and was happy to find that the songs I remembered so fondly still sound great. I was even happier when I learned that the Cowboys had just released a new album, but subsequently disappointed to find it badly cliched and uninspired. Where the earlier stuff is tightroping the quirk above a sea of ethnic cliche, this collection is right down in the deepest, darkest abyss of hardrock hubris. Why, oh why?

liaisons.jpg I have seen Frears version of de Laclos’ awesome book multiple times, and wasn’t surprised that a movie from the 1950s fails to stand up to Malkovich, Close and Pfeiffer. I was surprised, however, to see the plot transplanted to the present, and Valmont and Merteuil made into a married couple, odd decisions both, and while interesting, not helping the movie. But the real weakness is Vadims failure to convey any of the intricate psychology of de Laclos’ plot and the beautyfully crafted letters it consists of. Having seen this certainly makes me appreciate Frears quite a bit more. And as a final note, I’m not sure I’d want to see another movie with eternally sulky femme banale Jeanne Moreau any time soon.

Friday, June 2nd, 2006

Wong Kar Wai – 2046 (4)

2046.jpg Oh boy, where do I start? It was sombering to see that the concept that so beautifully worked in In the Mood for Love could fall so flat. While this loose sequel explores similar themes, none of the characters got me the least bit interested, the plot was see-through-thin both in terms of what happened and the emotional content, and the pretentiousness of it all just unbearable. Had I seen this in a theater, it would have been one of the rare occasions for me to walk out (though the cinematography, admittedly lost on a TV, might possibly have kept me). At home I sat through it, and I’m glad I did, for the last half hour picked up a bit. But not remotely enough to make this worthwhile. Stay clear.

Find this at Amazon, if you must

Friday, May 19th, 2006

Esta de Fossard – Monty Mouse (4)

montymouse.jpg This is the story of Monty Mouse, his adventures in the world, and his eventual return to his mother and his home. No need to leaf through the thing, for the cover shows all that’s wrong with this book in a nutshell. To wits: Monty “Mouse” is not a mouse, he’s a stuffed, dead rat, or, more likely, a collection of similar looking, stuffed dead rats. Upon realizing this, the adventurous and quirky photographs instantly turn very tasteless and cruel, not to mention the fact that I feel fooled by the author selling me one mammal for another. Some learning experience. But the worst fault lies with the story itself, for young Monty’s ingenious adventures invariably turn sour, and in the end send him running home for mom with nothing to show for all his inventiveness but a dirty coat. What a rotten message. Look at Monty’s stuffed carcass hanging miserably in what should be the world’s sweetest spot. No doubt he just spoiled his appetite for a nice Brussel sprout dinner, because he is sick from all the cake. That’ll teach him – and it teaches me, too: to run.

Sunday, May 7th, 2006

Kirk Mitchell – Procurator (4)

procurator.jpg The central idea of this book – Pilate pardons Jesus, the Roman empire thus survives the centuries and still dominates in modern times – seemed ludicrous yet original enough for me to buy the book, and the task of depicting a modernized roman empire promised to be interestingly amibitious. But, not surprisingly, the execution falls quite a bit short of the aim. Counterfactual history requires a depth of understanding and elaborate world building skills, and Mitchell posesses neither. His Roman empire is the cliched version of B movies, with a few gadgets added without rhyme, reason or technological context. The story itself is uninspired, too, dealing with an uprising of psychic rebels in the Anatolian province and an intrigue inside the empire, both told in brief abstract dialogues, interspersed with random action sequences, making the book a failure on pretty much all levels. It’s too bad, I still think the idea is cute.

Saturday, April 15th, 2006

Kenna – New Sacred Cow (4)

Talk of this album constitutes almost an entire chapter of Galdwell’s Blink. Apparently, many distinguished figures in the music industry heard Kenna’s music and were deeply impressed, but when focus group testing was done, the audience was unimpressed, and radio stations were very reluctant to play Kenna’s stuff. Gladwell uses this as an illustration of the fact that focus group testings aren’t as meaningful as the judgments of experts and can be very misleading, but I beg to differ. Maybe the fact that one of those impressed experts was a member of U2, those toe curling dogooders, should have tipped me off – I am absolutely with the focus group on this one. This is lifeless, uninpsired music and doesn’t speak to me at all. Maybe an entirely different argument could be made from this – about how too much expertise can drive you into the obscurity of private passions no non-expert can understand or appreciate. Or maybe U2 is just full of shit. I like that theory.

Friday, March 3rd, 2006

John Junkerman – Power and Terror (4)

Chomsky doesn’t deserve the movies made about him. Manufacturing Consent was an adequate representation in both content and style of the man who often appears to be the only sane person in a large room full of fanatics, but Distorted Morality and Power and Terror, both done by Jon Junkerman, are little more than badly edited recordings of public lectures, with no thread or narrative at all. What quality there is, is in Chomsky’s arguments, with the few ideas of moviemaking that went into it actually detracting from that. Junkerman opens chapters with a blank screen and a sentence or phrase taken from the lecture or interview segment that is to follow. The the original segment follows without a noticeable gap, making for a logical jump between the two things we hear Chomsky say, and the confusion is intensified when seconds later he repeats word for word what we just heard him say. It’s meant to structure the movie, but it’s entirely superficial and doesn’t work anyway. In the final scene, we see Chomsky on a stage far away, asking us whether we can hear him, clumsily alluding to the fact that he’s not very widely listened to and a lone caller in the darkness. It’s too bad that bad movies like this one contribute to that.